Was ist Halal?

Halal oder Haram – Begriffliche Erklärung

„Halal“ (ḥalāl, arabisch ‏حلال‎) – oder im Türkischen „Helal“ – ist ein arabisches Wort und kann mit „erlaubt“ und „zulässig“ übersetzt werden. Als halal werden alle Dinge und Taten bezeichnet, die nach islamischem Recht erlaubt oder zulässig sind. Dies bezieht sich neben den Speisevorschriften auch auf die Ehe, den Handel, Anstand und Sitte oder Musik.

 

Halal steht zwischen haram (‏حرام‎), verbotenen, und fard (‏فرض‎), pflichtmäßigen Handlungen. Zwischen halal und haram gibt es eine Grauzone - makruh (unerwünscht). Diese Dinge sind nicht ausdrücklich verboten, tendieren jedoch in Richtung haram. Muslime sollten daher auch als makruh eingestufte Dinge meiden.

 

Historischer Hintergrund

Die Speisevorschriften für Muslime sind im Koran und in der Sunna geregelt. Sie basieren auf der Regelung der elf ursächlichen Unreinheiten – Schweinefleisch, Aas und Blut sind die Bekanntesten. Das islamische Recht verbietet den Genuss dieser elf Stoffe genauso, wie den von Lebensmitteln, die mit diesen Stoffen in Berührung gekommen sind. Verzehrt werden dürfen nur Tiere, die für den Konsum zulässig sind, nach den Regeln der Sharia geschlachtet wurden, nicht bereits verendet waren oder einem anderen Gott als Allah geopfert wurden.

Davon ausgenommen gilt, dass alle Lebensmittel erlaubt sind – so lange sie nicht ausdrücklich oder eindeutig verboten wurden (Koran, Sure 5/ Vers 3).

Was ist „Halal“, was „Haram“?

Im Koran werden elf Gruppen ursächlicher Unreinheiten genannt. Vier davon betreffen Nahrungsmittel  (Koran, Sure 5, Vers 3).

Verboten ist euch das von selbst Verendete sowie Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer Name angerufen ward als Allahs; das Erdrosselte; das zu Tode Geschlagene; das zu Tode Gestürzte oder Gestoßene und das, was reißende Tiere angefressen haben, außer dem, was ihr geschlachtet habt; und das, was auf einem Altar (als Götzenopfer) geschlachtet worden ist. […].

Verboten sind:

  • Aas (alle Tiere, die eines natürlichen Todes gestorben sind)
  • Blut (nur das Blut darf konsumiert werden, das nach ordnungsgemäßer Schlachtung und Entblutung im Tier verbleibt)
  • Schwein (alle Lebensmittel, die Bestandteile vom Schwein enthalten oder daraus gewonnen werden)
  • Geschlachtete Tiere, die anderen als Gott geweiht sind (z.B. Opfertiere nicht-monotheistischer Religionen)
  • Alkohol

Verboten sind auch Fleisch fressende Tiere mit Fangzähnen, Raubvögel, giftige Tiere und Schädlinge.

Aus Pflanzen gewonnene Lebensmittel sind grundsätzlich halal. Davon ausgenommen sind jedoch berauschende und toxische Produkte, z.B. Alkohol. Gewürze zählen nicht dazu.

 

Berauschende Mittel wie z.B. Alkohol gelten als schädlich. Der Konsum ist also auch in kleinen Mengen nicht gestattet.

 

O ihr, die ihr glaubt! Berauschendes, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind ein Gräuel (Unreinheit), das Werk des Satans. So meidet sie, auf dass ihr erfolgreich seid (Koran 5:90)

Bei der Herstellung von Halal-Lebensmitteln muss sichergestellt sein, dass alle Zutaten halal und frei von bedenklichen Stoffen sind.

 

Der Halal-Markt

Zahlen, Daten und Fakten

  • Anzahl der Muslime weltweit: 1,6 Miliarden (2009)
  • Anzahl der in Europa lebenden Muslime: 51 Millionen (2009)
  • Anzahl der in Deutschland lebenden Muslime: 4,2 Millionen (2009)
  • Weltmarkt für Halal-Nahrungsmittel: 651 Milliarden USD (2010)
  • Marktvolumen Europa: 67 Milliarden USD (2010)
  • Marktvolumen Deutschland: 4 - 5 Milliarden USD (2010)
  • Halal-Produkte machen derzeit 17 % der weltweiten Nahrungsmittelproduktion aus
  • Bis 2025 steigt der Anteil der Halal-Produkte auf 20 % der weltweiten Nahrungsmittelproduktion
  • Bis 2030 sind 25 % der Weltbevölkerung Muslime

 

Die Lebensmittelindustrie setzt sich intensiv mit dem Halal-Thema auseinander.

Immer mehr Hersteller wollen den Zugang zu den wachsenden muslimischen Märkten Asiens, Afrikas, des Nahen und Mittleren Ostens. Auch die muslimischen Verbraucher im eigenen Land sind eine immer interessantere Zielgruppe mit einer hohen Kaufkraft und einem stark ausgeprägten Bewusstsein für Marken und Qualität.

 

Das Thema "halal" beschränkt sich jedoch nicht auf das Produkt an sich. Für die Zertifizierung als Halal-Lebensmittel muss die gesamte Produktionskette von den Rohstoffen über die Produktionsprozesse, Lager, Logistik bis hin zum Handel berücksichtigt und durchgängig als „halal“ eingestuft werden. Allein in der Lebensmittelindustrie umfasst das Thema also alle Bereiche von der Landwirtschaft über die Produktion bis zum Handel.

 

Halal oder Haram: Für einen Moslem ist diese Frage auch in diesen Bereichen relevant:

  • Kosmetikindustrie
  • Tourismusindustrie
  • Hotellerie und Gastronomie
  • Textilindustrie
  • Medizin und Pharmazie
  • Bildung

 

Vorteile für Unternehmen

Halal-Produkte haben vor allem im Lebensmittelbereich zusätzliche Qualitätsmerkmale. Sie werden unter besonderen hygienischen, ethischen und moralischen Anforderungen hergestellt – vergleichbar den bereits etablierten Bio-Produkten.

 

Hohe Anforderungen an eine Halal-Zertifizierung geben den Verbrauchern Sicherheit für Qualität und Halal-Konformität.

 

Eine HALAL - Zertifizierung bringt Unternehmen folgende Vorteile

  • Akzeptanz Ihrer Halal-Produkte durch islamische Autoritäten
  • Sicherstellung der Halal-Konformität der Endprodukte durch die Dokumentation der gesamten Produktionskette und Einholung von Nachweisen für Rohmaterialien 
  • Verbrauchervertrauen und Steigerung der Kundenzufriedenheit
  • Werbewirkung und Stärkung Ihres Images
  • Erschließung neuer Markt- und Kundensegmente
  • Erschließung des Trendmarktes Ethnic Food
  • Exportmöglichkeit in streng reglementierte, muslimische Wachstumsmärkte

Vorteile für Konsumenten

Der Islam will den Menschen die Bewältigung ihres Lebens erleichtern und nicht zusätzlich erschweren. Dem entspricht auch das Prinzip von halal und haram, das die Interessen und Bedürfnisse von Körper, Seele und Geist beim Einzelnen wie in der Gemeinschaft berücksichtigt. Konsumenten von Halal-Produkten profitieren von besonders strengen Anforderungen an die Produkte, deren Produktion oder Vertrieb, die den jeweils geltenden gesellschaftlichen, ethischen und moralischen Normen entsprechen.

Ein Normenkodex von Erlaubtem und Verbotenem ist keine Besonderheit des Islam sondern findet sich in allen Weltanschauungen und Glaubensgemeinschaften.

Schweinefleisch z. B. hat keinen guten Ruf und wird zunehmend wegen der industriellen Tierhaltung, den Futterstoffen, der Antibiotikagabe und den Schlachtbedingungen von Nichtmuslimen gemieden. ebenso Lebensmittel und z. B. Kosmetikprodukte, die Zusatzstoffe enthalten, die aus der Verarbeitung von Schweinen gewonnen werden.